Tabubruch

Warum ist es wichtig, dass Prominente über Krebs reden?

Die Diagnose Krebs ist ein Schock. Darüber zu sprechen, fällt vielen Menschen nicht leicht. Vor allem Prominente behalten Privates lieber für sich. Als die beliebte Schauspielerin Hannelore Elsner am Ostermontag 2019 verstarb, war das das Ende eines 5 Jahre andauernden Kampfes gegen die Krankheit, den die damals 76jährige im Geheimen führte. „Sie wollte nicht als kranke Frau in der Öffentlichkeit stehen“, begründete Elsners Sohn Dominik die einsame Entscheidung der Charakterdarstellerin. Schauspielkolleg*innen kennen einen weiteren Grund, warum Menschen aus der Film- und Entertainmentbranche ihre Erkrankungen lieber für sich behalten: Sie verlieren schlichtweg ihre Jobs, werden nicht mehr besetzt oder gebucht, weil sie als „Produktionsrisiko“ gelten und Versicherungen die Zusammenarbeit mit Produktionsfirmen verweigern.

Dabei kann das mutige Outing eines Prominenten so viel bewirken. Pionierin ist die ehemalige First Lady der USA, Betty Ford. Als sie 1974 öffentlich über ihre Brustamputation nach einer Krebserkrankung sprach, war das ein unerhörter Tabubruch – bis dahin waren derartige Erkrankungen ein streng gehütetes Familiengeheimnis. Betty Fords Bekenntnis führte dazu, dass signifikant mehr Frauen zur Vorsorgeuntersuchung gingen. Die Früherkennungsrate stieg rasant an – ein Phänomen, das als „Betty-Ford-Echo“ bekannt ist und sich seither einige Male wiederholt hat. Etwa 2005, als bekannt wurde, dass Popsängerin Kylie Minogue an Brustkrebs erkrankt ist. Heute pflegen – auch dank Social Media – viele Prominente einen offenen Umgang mit dem Thema Krebs. Die Message ist klar: Die Krankheit kann jeden treffen.

Kommunikationswissenschaftler stellen hier einen Wertewandel fest, auch in der Politik. Während Krankheit früher als Schwäche gedeutet wurde, sei es heute zunehmend normal, dass Prominente persönliche Informationen preisgeben, auch weil sie so selbst die Kontrolle darüber haben, was an die Öffentlichkeit dringt und was nicht. Bestes Beispiel ist die Klarheit und Selbstverständlichkeit, mit der Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig ihre Brustkrebserkrankung kommuniziert und dafür viel Zuspruch bekommen hat. Die Hoffnung ist, dass prominente Outings wie dieses insgesamt zu einem offeneren Umgang mit Krankheit und Leid in der Gesellschaft führen könnte.