Schweigen für die Prostata

Warum Männer sich so schwertun, über Krebs zu reden

Mit mehr als 63.000 Neuerkrankungen pro Jahr ist Prostatakrebs in Deutschland die häufigste Krebserkrankung bei Männern. Dieser Krebs hat hohe Heilungschancen, wenn er frühzeitig erkannt wird. Und hier liegt das Problem: Viele Männer scheuen die Vorsorgeuntersuchung – weil sie unangenehm ist, und weil sie Angst haben vor einer möglichen Diagnose und den Folgen eines sich anschließenden Eingriffs: Impotenz und Inkontinenz!

„Lieber tot als impotent“ ist eine Stammtischparole, die Leben kostet: Nur 31 Prozent der Patienten, bei denen ein bösartiger Tumor der Prostata gestreut hat, überleben. Bei Früherkennung sind es hingegen 80 bis 99 Prozent!

Jugendlichen und Männern wird daher ab dem Pubertätsalter zu regelmäßiger Selbstuntersuchung geraten. Ab dem Alter von 45 Jahren können Männer im Rahmen der gesetzlichen Krebsfrüherkennung einmal jährlich eine Untersuchung der Geschlechtsorgane durchführen lassen.
Aber: Wie eine Auswertung der Techniker Krankenasse aus dem Jahr 2017 zeigt, nimmt nur jeder vierte Mann über 45 (rund 27 Prozent) die von den Krankenkassen bezahlte jährliche Krebsfrüherkennung für Prostatakrebs in Anspruch. Bei den Frauen ließ sich im selben Zeitraum mehr als jede zweite der über 20-Jährigen (rund 58 Prozent) bei ihrem Gynäkologen auf Krebs durchchecken. Interessant auch: es gibt deutliche regionale Unterschiede bei der Teilnahme an der Krebsprävention. Spitzenreiter sind die Menschen in Sachsen – sowohl die Frauen (61 Prozent) als auch die Männer (rund 34 Prozent) gehen überdurchschnittlich häufig zur Krebsfrüherkennung. Schlusslicht ist das Saarland – hier nutzten 2017 52 Prozent der Frauen die Untersuchung und nur 22 Prozent der Männer.

Die Gründe für diese riskante Vogel-Strauß-Taktik vermuten Experten nach wie vor in kindlicher Prägung und Erziehung: Jungen lernen zu wenig, auf sich selbst zu hören und zu fragen: Wie geht’s mir? Stattdessen reden sie sich ein: Läuft doch, oder? Selbst wenn ihnen etwas auffällt, neigen sie dazu, Anzeichen oder Schmerzen auszuhalten zu wollen und zu überstehen, anstatt zum Arzt zu gehen.