Personalisierte Medizin

Liegt die Zukunft in den Genen?

Krebs ist nicht gleich Krebs. Selbst wenn er vom gleichen Organ ausgeht kann sich die Krankheit sehr unterschiedlich entwickeln. Therapie ist auch nicht gleich Therapie. Ansprechen und Verträglichkeit ein und desselben Medikaments variieren von Mensch zu Mensch.

Zu verstehen, warum das so ist, ist zu einer zentralen Aufgabe der Forschung und modernen Medizin geworden.

Mit zunehmendem Wissen betrachtet man Krebs immer mehr als eine Erkrankung der Gene statt der Organe, in denen er auftritt. Durch Vorliegen einer Veranlagung, äußeren karzinogenen Einflussfaktoren oder auch dem Alter treten in gesunden Körperzellen genetische Veränderungen auf. Der genetische Code fungiert wiederum als Bauanleitung für Eiweiße, sodass diese in Folge quantitativ oder qualitativ fehlerhaft gebildet werden. Dies kann zu einer Entartung der Zellen und Entstehung bösartiger Tumore führen.

Bei der Versorgung krebskranker Betroffener versucht man, einige dieser Genmutationen und abweichenden Proteine im Tumor aufzudecken. Man führt für jede Person eine Art „Profiling“ des Krebses anhand der abnormen biologischen Merkmale durch, um hieraus Vorhersagen über die weitere Entwicklung abzuleiten und vor allem eine möglichst passgenaue, sprich vor allem effektive Therapie zu wählen.

Man unterscheidet zielgerichtete Therapien (targeted therapies), Immun- und Gentherapien.

Die Wirkstoffe der zielgerichteten Therapien richten sich gegen biologische Eigenschaften und Strukturen, die auf oder in den Tumorzellen vorkommen – also sozusagen gegen deren „Sonderausstattung“. Moderne Immuntherapien verfolgen den Ansatz, das körpereigene Immunsystem gezielt auf den Tumor anzusetzen. Krebs entsteht und wächst nämlich nicht, weil das Immunsystem der Betroffenen grundsätzlich komplett versagt hat, sondern, weil Krebszellen oft Mechanismen entwickeln, wie sie diesem ausweichen können, um weiter zu überleben.

Die größte Innovation innerhalb der genannten onkologischen Therapien stellt die Gentherapie mit CAR-T-Zellen dar. Das sind gentechnisch veränderte, patienteneigene T-Lymphozyten – eine Unterform der weißen Blutkörperchen – die außerhalb des Körpers mit chimären Antigenrezeptoren ausgestattet werden. Anschließend werden sie den Patientinnen und Patienten wieder zugeführt und können mithilfe des Rezeptors Tumorzellen erkennen und eliminieren.

Wie behält man zukünftig den Überblick über alle Möglichkeiten und wie trifft man die richtigen Therapieentscheidungen?

Diesbezüglich werden sowohl das Machine Learning bzw. die sogenannte „Künstliche Intelligenz“, als auch molekulare Tumorboards zunehmend in den Fokus rücken. Entscheidungen werden künftig voraussichtlich mehr unter Berücksichtigung des molekularen Tumorprofils und der molekularen Klassifikation statt auf Grundlage der reinen histopathologischen Diagnose getroffen werden.

Da aber genau diese Entscheidungen – trotz aller technischen Unterstützung – von Menschen gefällt werden, stellt die Präzisionsmedizin, die ja auch keine ausschließlich onkologische Domäne ist, eine intellektuelle und organisatorische Herausforderung an die Beteiligten im Gesundheitswesen dar.

Eins ist dennoch sicher: Die Mühe zahlt sich aus.