Mein Partner, der Krebs und ich

(K)ein flotter Dreier

Haarausfall ist nur die offensichtlichste Begleiterscheinung einer Krebsbehandlung. Die vorübergehenden oder dauerhaften körperlichen Veränderungen durch Operationen, Chemos und Bestrahlungen bei Frauen sind mannfaltig: Amputation der Brust, Entfernung von Eierstöcken, der Gebärmutter oder von Bereichen der Scheide und Vulva. Das alles ist äußerst schmerzhaft und verbunden mit dem Fehlen jeglichen Körpergefühls. Chemo und Bestrahlungen schädigen die Schleimhäute und führen mitunter zum Verlust der Fruchtbarkeit. Bei Eingriffen im kleinen Becken (Darmkrebs, Blasenkrebs, Uteruskrebs) kann es zu Schädigungen des vegetativen Nervensystems und dadurch zu einer reduzierten sexuellen Reaktionsfähigkeit kommen. Entfernung der Sexualorgane und Anti-Hormontherapien führen zu einen frühzeitigen Einsatz der Wechseljahre, mit typischen Beschwerden wie Hitzewallungen, Erschöpfung, Gewichtszunahme und trockener Scheide. Alles keine Zustände, die einen an lustvolle Zweisamkeit und wilden Sex denken lassen.

Krebserkrankungen und ihre Folgen sind eine Belastungsprobe für jede Partnerschaft, denn nicht nur der Krebskranke selbst, sondern auch der Partner bzw. die Partnerin muss lernen, mit der neuen Situation umzugehen. Manche Frauen kommen mit ihrem veränderten Körperbild nicht klar, für den Partner ist es schwierig, diese Verunsicherung und die veränderten Bedürfnisse der Patientin richtig einzuordnen. Oft ist deren Gefühlswelt ausschließlich geprägt von der Angst um die eigene Gesundheit und das eigene Leben oder auch die Sorgen um die Zukunft der Angehörigen. Mitunter hat sich das Kräfteverhältnis innerhalb der Beziehung verändert und muss neu definiert werden. Vielen Paaren fällt es schwer, für all das die richtigen Worte zu finden, und Männer scheinen mit der Situation noch schlechter umgehen zu können als Frauen: Eine amerikanische Studie aus dem Jahr 2009 belegt, dass bei einer schwer wiegenden Erkrankung das Risiko einer Trennung oder Scheidung zehnmal so hoch ist, wenn die Partnerin bzw. Ehefrau von der Krankheit betroffen ist. Grund genug, dieses spannende Thema aus Frauenperspektive zu beleuchten.