Disease Interception

Vorsorge 2.0

„Rechtzeitig erkannt, Gefahr gebannt“ – auf diesem Prinzip basiert das Konzept der Disease Interception: Ein innovativer medizinischer Ansatz, bei dem Krankheiten bereits vor Auftreten der Symptome erkannt, behandelt und – wenn möglich – sogar vollständig geheilt werden sollen. Eine Vision, die sehr verlockend klingt! Insbesondere vor dem Hintergrund einer alternden Weltbevölkerung, in der unter anderem die Zahl der Krebserkrankungen stetig zunimmt.

Dieser Tatsache wirkt bisher die Prävention entgegen. Sie umfasst Maßnahmen wie beispielsweise Impfungen, um Krankheiten zu vermeiden, aber auch Screening-Untersuchungen, die diese nach Ausbruch zumindest frühzeitig entdecken sollen. Nachteil dieser Empfehlungen und Behandlungen: sie berücksichtigen nicht das persönliche Risikoprofil der einzelnen Person. Die Disease Interception strebt an dieser Stelle eine individuellere Betrachtung der oder des Einzelnen an. Sie nutzt den wissenschaftlichen Fortschritt, um Menschen zu identifizieren, die, zum Beispiel aufgrund ihrer genetischen Veranlagung, mit großer Wahrscheinlichkeit eine schwere Erkrankung entwickeln werden. Anschließend sollen diese systematisch auf Veränderungen im Zielorgan hin medizinisch überwacht werden.

Dieses „Auflauern“ soll ermöglichen, bereits sehr früh meist medikamentös in den Krankheitsprozess eingreifen zu können. Etwas – und das ist längst bekannt – das sich signifikant auf das weitere Leben auswirkt und nicht nur im Kampf gegen den Krebs sogar spielentscheidend sein kann. Dieses Vorgehen ist aber auch deshalb besonders, weil bereits zu einem Zeitpunkt mit der Therapie begonnen wird, an dem die Betroffenen höchstwahrscheinlich noch vollkommen beschwerdefrei sind. Was wiederum den Vorteil hat, dass diese nicht unter Symptomen leiden müssen.
All das macht die Disease Interception, die als eine Art graduelle Steigerung der Prävention Vorsorge und effektive Therapie miteinander verknüpft, so erstrebenswert. Allerdings birgt das Thema auch gesellschaftsrelevante Fragen: wie gehen wir mit diesem neuen Wissen um, wie handhaben wir das Recht auf Nichtwissen und inwieweit sind wir bereit, solidarisch Kosten für eine Krankheit zu tragen, die sich im besten Fall nie richtig entfalten wird.
Wir werfen mit zwei Pionieren in diesem Bereich einen Blick in die Zukunft der Medizin!