Der aktive Patient

Und seine Rolle im Gesundheitssystem der Zukunft

Die Medizin ist im Wandel. Und mit ihr sind es auch wir. Einerseits erhält die Digitalisierung nach und nach immer mehr Einzug in das Gesundheitswesen. Andererseits werden umfangreich Informationen zu Gesundheit und Krankheit online gestellt und somit der Öffentlichkeit einfach und schnell zugänglich gemacht. Diese nutzt Suchmaschinen, um beispielsweise Beschwerden und Erkrankungen im Internet zu recherchieren. Die Bezeichnung „Dr. Google“ hat sich daher umgangssprachlich längst fest etabliert. Aber auch Applikationen wie ADA sollen Laien bei der Deutung von Symptomen unterstützen und somit die Menschen darin bestärken, ihre Gesundheit und bestimmte Entscheidungen diesbezüglich selbst in die Hand zu nehmen. Dies geschieht auch – alles zumeist bevor fachlicher Rat eingeholt wird. Deshalb überrascht es nicht, dass sich zunehmend Patientinnen und Patienten mit angelesenem Wissen oder Halbwissen vorstellen, die dem Gesundheitspersonal gegenüber selbstbewusst auftreten. Zu diesem Zeitpunkt haben sie oft bereits eine Erklärung für ihre körperlichen Leiden parat oder sogar eine Diagnose geschlussfolgert. Die medizinische Belegschaft wird damit konfrontiert, dass ihre Meinungen und Entscheidungen hinterfragt werden, sie sich rechtfertigen, argumentieren, be- und widerlegen müssen. Somit ist auch das Arzt-Patienten-Verhältnis im Wandel. Das muss per se nichts Schlechtes sein. Eine Verschiebung des Gleichgewichts weg von der traditionellen hierarchischen Überordnung der „Götter in Weiß“ hin zu einer Partnerschaft und Kommunikation auf Augenhöhe ist durchaus wünschenswert und spiegelt auch eher das Miteinander in einer modernen, emanzipierten und mündigen Gesellschaft wider. Wenn man die Digitalisierung weiterdenkt, dann kann die Medizin der Zukunft beispielsweise so aussehen, dass sowohl Patientinnen und Patienten als auch das ärztliche Personal KI-gestützte Informationen nutzen, um gemeinsam über das weitere Vorgehen zu entscheiden.